Kloster Katharinenberg-Drahtstiftefabrik-Rathaus Gerresheim
Düsseldorf, Neusser Tor 12
Peter Stegt
Die Drahtstifte- und Nietenfabrik im ehem. Kloster Katharinenberg in Düsseldorf-Gerresheim


Neben der Dreher´schen Drahtstiftefabrik siedelten sich im alten Stadtkern noch weitere Werke der eisenverarbeitenden Industrie an. Dies geschah in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters Katharinenberg.

Das Gebäude, in dem sich heute u. a. die Bezirksvertretung befindet, war ursprünglich der Südflügel des alten Klosters Katharinenberg. Im Kopfsteinpflaster der Gerresheimer Fußgängerzone sind weiße Steine eingelassen, die den alten Umriss des ganzen ursprünglichen Klostergebäudes zeigen.

Die Einrichtung wurde im Jahre 1450 von der Edeldame Hilla von der Brügge gegründet. Im Gegensatz zum hochadeligen Damenstift, entstammten die Ordensschwestern in diesem Kloster nicht zwingend dem Adel.

Das Kloster wurde im Zuge der Säkularisation aufgelöst, aber noch bis 1834, dem Tode der letzten Ordensschwester kirchlich genutzt. Das Gebäude ging in den Besitz des preußischen Staates über, wurde wenig später jedoch der Stadt Gerresheim geschenkt. Es wurde zur Bedingung gemacht, die an der Neußer Straße zunächst liegenden Teile der Klostergebäude abbrechen zu lassen und einen Teil des dadurch zu gewinnenden Terrains zu einer angemessenen Erweiterung der Straßen zu verwenden.

In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude verschiedenen Zwecken. Längere Jahre hindurch hat es in den oberen Räumen die Dienstzimmer des Amtsgerichtes aufgenommen. Ein Teil des Hinterhauses ist vorübergehend als Dienstwohnung für die Bürgermeister benutzt worden.

Vier Jahre hindurch befand sich die Verwaltung der Stadt in einem Hause an der Gräulingerstraße. Während dieser Zeit waren die Räume des Rathauses zu Wirtschaftszwecken verpachtet.

gerresheim_kloster_katharinenburg-drahtstiftefabrik-rathaus
Gesamtansicht(Foto) der Drahtstifte- und Nietenfabrik von 1901. Quelle: Förderkreis Industriepfad Düsseldorf e.V.
Auf dem Areal des Kloster gründeten 1845 Johann Joseph Göbbels und der Westfale Johann Heinrich Frieding die erste Drahtstiftfabrik im Zentrum Gerresheims. Vier Jahre später wurde sie von Hugo von Gahlen übernommen. Das wirkte wie eine Intitialzündung. In den Jahren danach folgten weitere Drahtfabriken und Eisenhandlungen. Produziert wurden hier hauptsächlich Drahtstifte und Nieten. Das Rohmaterial kam hauptsächlich aus dem Märkischen, geliefert wurde schwerpunktmäßig nach Belgien, Holland und Westfalen. Bereits im ersten Jahr nach der Gründung wurden 600 Zentner Nägel im Werte von 9000 Talern produziert. 1860 wurde es an die Bahnstraße (heute: Heyestraße) verlegt. Die Fabrik wurde 1873 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und in den Jahren 1882 und 1893 durch Neubauten erweitert, 1903 erfolgte ein Umbau der Räume. Später wurde das Werk der Aktiengesellschaft der Düsseldorfer Eisen- und Drahtindustrie als Zweigwerk einverleibt. Die Firma Emil von Gahlen & Comp. erhielt im Jahre 1860 auch die Erlaubnis, in den Räumen des aufgelösten Klosters Katharinenberg eine Nietenfabrik in Betrieb zu nehmen. Nach Aussage des Firmengründers unterhielt dieses Werk eine eigene Krankenkasse und eine „Wohlfahrtseinrichtung für seine Arbeiter in Gestalt einer Stiftung“. So wurde auch hier bereits an die sozialen Belange der Mitarbeiter gedacht. Heinrich Frieding blieb stets einer der Geschäftspartner von Gahlens.

Durch die Ansiedlung von Drahtstifte und Nietenfabriken von Heinrich Frieding, Emil von Gahlen und Ignaz Dreher im Zentrum der alten Stadt Gerresheim entstand hier ein Schwerpunkt der Eisenindustrie, der internationale Bedeutung errang. Mit der Ansiedlung einer Fabrik in den ehemaligen Klostergebäuden wurde der Einzug der Moderne in Gerresheim für alle sichtbar. War Gerresheim bis zur Auflösung des Stifts kirchlich geprägt, so war von Gahlen das unübersehbare Zeichen der sich wandelnden Zeit. Prägten lange Zeit Kirchen und Schlösser das Bild der Orte, traten an ihre Stelle nun auch Schornsteine und Villen.

Bei der Ortskernsanierung in den 1980er Jahren wurden die Reste der Fabrikanlagen zerstört. Archäologische Untersuchen fanden nur im Hinblick auf mittelalterliche Funde statt, die Industriekultur wurde seinerzeit nicht als wichtig erachtet.